2010
Die netten Herren von Milli Görüs
Sie galten als Reformer der IGMG. Doch nachdem bekannt wurde, dass Funktionäre über einen Hilfsverein die Hamas unterstützten, fragen sich Experten: Wie umgehen mit Milli Görüs?
BERLIN taz | In Hamburg ist Mustafa Yoldas ein angesehener Mann. Mit elf Jahren kam der Sohn türkischer Gastarbeiter nach Deutschland, heute betreibt er eine Arztpraxis im Bezirk Altona. Er ist Vorsitzender der Schura, eines Zusammenschlusses von Moscheegemeinden in der Hansestadt. Mit dem Senat verhandelt Yoldas über einen Staatsvertrag, analog zu denen mit den christlichen Kirchen und der Jüdischen Gemeinde.
Und das, obwohl der 40-Jährige in der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) aktiv ist, der größten islamistischen Organisation in Deutschland. Doch selbst beim Verfassungsschutz, der die IGMG beobachtet, hieß es bisher, der Hamburger Regionalverband werde von der Politik "als seriöser Ansprechpartner akzeptiert". Das könnte nun vorbei sein.
Am Montag haben Polizisten Yoldas' Haus durchsucht, zeitgleich fanden in Hessen und Nordrhein-Westfalen weitere Razzien statt. Zuvor hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) die Internationale Humanitäre Hilfsorganisation (IHH) verboten. Der Vorwurf: Die IHH soll 6,6 Millionen Euro an die radikalislamische Hamas gespendet haben, die im Gazastreifen de facto regiert und auf der Terrorliste der EU steht.
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