2010

Im Gedenken an eine Vordenkerin

k.A.

Am Samstag ist Österreichs erste Frauenministerin, Johanna Dohnal, verstorben. Der Freidenkerbund würdigt die Verdienste der Ausnahmepolitikerin. "Sie war eine Große", kommentiert Bundesvorsitzender Theo Maier.

Die Nachricht vom Ableben Dohnals brachte eine hitzige Debatte in der Bundesversammlung des Freidenkerbunds zum Verstummen. Es war jener dieser schwer zu beschreibenden Momente, wo sich Trauer, Betroffenheit und Unsicherheit mischen. Einer dieser Momente, die immer eintreten, wenn man vom Tod eines Menschen erfährt, für den man Bewunderung gehegt hat. Noch dazu, wenn der Tod unerwartet eintritt. Es war Theo Maier, der die Iniatiave ergriff. "Eine Große ist tot. Ich denke, wir sollten ihr mit einer Schweigeminute Respekt zollen." Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. "Ohne sie wären viele gesellschaftlichen Fortschritte der letzten 30 Jahre undenkbar gewesen."

Der Tod Dohnals wird von der gesamten laizistischen Bewegung Österreichs als großer Verlust empfunden. Kaum jemand hat so hartnäckig tradierte Geschlechterrollen infrage gestellt wie sie - und nicht nur diese. Sie hat an Tabus gerüttelt, gesellschaftlichen Fortschritt in einem Ausmaß ermöglicht, der für unvorstellbar gegolten hatte. In vielem war sie diesem Land voraus. Vieles, was sie erreichte, wurde erst nach ihrer Amtszeit begriffen. Von Schutz vor Gewalt in der Ehe, dem Verbot sexueller Belästigung bis zu ersten Gleichstellungsgesetzen - all das erreichte Dohnal in ihrer Zeit als Bundespolitikerin.

Bevor sie 1979, noch als Staatssekretärin, ins Kabinett von Bruno Kreisky kam, kämpfte sie für Aufklärung, für das Recht von Frauen auf ihren eigenen Körper. Dass in Österreich Abtreibung seit 1975 straffrei gestellt ist, ist auch ihrem Engagement zuzurechnen. Als Bundespolitikerin wurde sie angefeindet wie kaum eine zweite. Die Versöhnung kam erst mit ihrem Tod, wo selbst die FPÖ Dohnal als Vorkämpferin für Frauenrechte würdigte. Pionierin blieb sie bis zuletzt. 2010, wenige Wochen vor ihrem Tod, ging die 71-Jährige eine eingetragene Partnerschaft mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin ein.

Ihr politisches Credo lässt sich vielleicht am besten so zusammenfassen: Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

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