2010
Alexander-Goebel-Show mutiert zu Propagandasendung für Kirche
„Die gestrige Alexander-Goebel-Show war ein schwerer Verstoß gegen den Auftrag des ORF. Der Moderator hat in Wortmeldungen impliziert, dass man das Christentum als Schutz vor Muslimen brauche und ähnlichen Unsinn. Das ist man vielleicht von Talkshows auf einigen US-Sendern gewöhnt, aber diese Art von Fundamentalismus hat hier keinen Platz“, kritisiert Theo Maier, Vorsitzender des Freidenkerbunds. „Unliebsame Meinungen wurden offenbar auf Geheiß des Moderators im Vorfeld gefiltert. Goebel forderte sogar Kirchenvertreter dazu auf, bei ihm anzurufen. Mitglieder unseres Vorstandes, die sich ebenfalls gemeldet hatten, wurden nicht zurückgerufen. Das ist Zensur.“ Außerdem seien Goebels Fragen manipulativ gewesen." Goebel wollte die Anrufer hörbarerweise dazu bewegen, irgendetwas positives über die katholische Kirche oder das Christentum zu sagen. "Das war eine religiöse Propagandashow."
Wolfgang Huber von der Allianz für Humanismus und Atheismus sieht einen Verstoß gegen das Objektivitätsgebot. „Goebel hat schlicht und ergreifend ignoriert, dass der Großteil der 1,8 Millionen Konfessionsfreier in Österreich nichts mit Religion zu tun haben will. Wenn eine Sendung die Rolle der Kirche hinterfragen will, dann müssen auch diese Menschen gehört werden.“ Der Gipfel seien die Schlussworte Goebels gewesen: „Hier hat er wörtlich von „unserem christlichen Glauben“ gesprochen und von der Liebe, die dazugehöre. Göbels persönliche Meinung sei ihm unbenommen, aber als Moderator einer öffentlich-rechtlichen Sendung hat er sich zurückzuhalten. Da wurde noch einmal so richtig deutlich, worum es ihm geht. Diese Sendung war eine Farce.“
Lediglich Erich Eder von AG-ATHE (AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich) zeigt am Telefon kein Interesse: "Ich kenne den Mathematiker Kurt Gödel, aber keinen Alexander Gödel. Und regionale Schlagersender wie Radio Wien habe ich noch nie eingeschaltet." Lachend fügt er hinzu: "Ich höre grundsätzlich Ö1 - das ist mir religiös und esoterisch genug..."
Die Organisationen fordern Landesdirektorin Brigitte Wolf auf, sich umgehend für die Entgleisungen Goebels zu entschuldigen. Sonst werde man den Publikumsrat des ORF anrufen.
