2010

Auf den Spuren des Hasspredigers

Bild: dekanat.at

"Das weiß ich nicht. Gott lässt sich nicht in seine Karten schauen. Aber es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind." So lautet Gerhard Maria Wagners Analyse des Erdbebens von Haiti, das 200.000 Menschen getötet hat gegenüber dem Kurier. Eine Aussage, wie sie auch vom US-Hassprediger Pat Robertson kommen könnte. Der hatte gleich den Teufel für die Katastrophe verantwortlich gemacht. freidenkerbund.at berichtete.

Nicht die erste Parallele zwischen dem katholischen Fundi Wagner und dem evangelikalen Fundi Robertson. Nach den Verheerungen, die der Hurricane Katrina in New Orleans angerichtet hatte, orakelten beide über das sündige Erdenleben und Gottes Strafe. Und wie Robertson kennt Wagner nur ein Rezept für die Herausforderungen des modernen Lebens: Gottesfurcht. Mag sein, dass der eine etwas anderes darunter versteht als der andere. Viel Unterschied erkennt der kritische Beobachter nicht.

Wenig überraschend hat Wagner neben den Ungläubigen und Sündigern ein weiteres Feindbild parat. Die Muslime. "Die Muslime sind auch ein Problem der Christen", sagt er im Kurier-Interview. "Wenn wir unseren Glauben nicht mehr leben, dürfen wir uns nicht wundern, wenn andere diese Lücke füllen. Ich halte aber nichts davon, wenn Leute, die selbst nicht zu ihrem Glauben stehen, auf Moslems schimpfen.

In der Schweiz hat sich eine Mehrheit für ein Minarettverbot ausgesprochen. Die katholische Kirche ist gegen ein Verbot. Ist das auch Ihre Meinung?
Ich halte sehr viel davon, da das Volk zu befragen.

In Österreich wäre der Ausgang wohl ähnlich ...
Man sollte die Sorgen der Leute ernst nehmen - und nicht immer alles gleich kriminalisieren. Der Islam ist auch eine Gefahr, und da muss man wachsam sein."

Wagner stellt mehrere Fragen in den Raum, die er unbeantwortet lässt. Welcher Natur die Lücke sein soll, die die Kirchenaustritte hinterlassen etwa. Für wen diese Lücke bestehen soll. Und warum und inwiefern sie Muslime ausfüllen. Und in letzter Konsequenz was mit den Muslimen passieren würde, würde diese tatsächliche oder vermeintliche Lücke geschlossen. Von der FPÖ unterscheidet er sich für einen kritischen Beobachter höchstens in der Wortwahl.

Bleibt für einen Beobachter nur der Schluss: Wagner sieht radikales Christentum als Antwort auf die Moderne. Kaum überraschend, dass ihm auch aus dem nicht-atheistischen Lager herbe Kritik entgegenschlägt. "Katholiban" nennt ihn etwa der Wiener Gemeinderat Peko Baxant (SPÖ) auf seinem Blog.

Viele Atheisten sehen Wagner als die Verkörperung des Katholizismus schlechthin. Eigentlich sei er mit seiner Papsttreue und seiner Interpretation des kanonischen Rechts und des Katechismus wesentlich näher am Christentum dran als viele moderne Katholiken. Etwas direkter drückt es Erwin Peterseil auf seiner Homepage aus.

Wagners Ausritte dürften jedenfalls zahlreiche Katholikinnen und Katholiken in Österreich zum Nachdenken bewegen. Über ihre Mitgliedschaft im Verein. Und hoffentlich auch über die Grundlagen ihrer Überzeugung. Wenn die Quellen eine solche Auslegung zulassen, kann wohl etwas nicht stimmen.

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