Ronys Bibelecke
Ronys Bibelecke - Die etwas andere Bibelkunde
Kirchliche Würdenträger beklagen sich häufig - und das zu Recht - über die mangelhaften Bibelkenntnisse der österreichischen Bevölkerung. Wir möchten daher mit Ronys Bibelecke unseren Beitrag zur Vermehrung des Bibelwissens leisten.
Da dessen Vermittlung nicht ausschließlich in den Händen von Pfarrern, Bischöfen oder Bibelforschern wie den Zeugen Jehovas liegen soll, wird der Althistoriker Ronald Bilik unseren Lesern die Inhalte des Buches der Bücher näher bringen.
Ob seine Tätigkeit die Verbreitung des Glaubens fördern wird, ist allerdings zweifelhaft. Wir wollen unseren Lesern aber auch keinen Glauben im Sinn von Nichtwissen vermitteln, sondern einen wissenschaftlich fundierten, aber dennoch humorvollen Einblick in die Welt der Bibel bieten.
Aus diesem Grund zitieren wir an dieser Stelle ausgewählte Bibelstellen, die von unserem Experten – nach den oben festgelegten Kriterien - kommentiert werden.
Paulus argumentiert gegen die Beschneidung (Röm 2,25-29)
Die Beschneidung ist nützlich, wenn du das Gesetz befolgst; übertrittst du jedoch das Gesetz, so bist du trotz deiner Beschneidung zum Unbeschnittenen geworden. Wenn aber der Unbeschnittene die Forderungen des Gesetzes beachtet, wird dann nicht sein Unbeschnittensein als Beschneidung angerechnet werden? Der leiblich Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, wird dich richten, weil du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist. Jude ist nicht, wer es nach außen hin ist, und Beschneidung ist nicht, was sichtbar am Fleisch geschieht, sondern Jude ist, wer es im Verborgenen ist, und Beschneidung ist, was am Herzen durch den Geist, nicht durch den Buchstaben geschieht. Der Ruhm eines solchen Juden kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.
Kommentar:
Paulus vollführt hier einen regelrechten Eiertanz (um Missverständnisse auszuschließen: dieser Ausdruck bezieht sich lediglich auf die Argumentation des Paulus und nicht auf die entsprechende Körperregion!). Auf der einen Seite waren Jesus und seine Jünger gläubige und beschnittene Juden, die auch nur Juden missionieren wollten, auf der anderen Seite lehnten gerade die Juden die Lehre von Jesus ab. Paulus muss daher ein neues Missionsklientel finden, und ist jetzt logischerweise auf die Nichtjuden angewiesen. Da diese wenig Begeisterung zeigen, Eingriffe an ihren Fortpflanzungsorganen durchführen zu lassen, erklärt Paulus die leibliche Beschneidung für unwesentlich und macht auch die Unbeschnittenen zu Juden und damit missionsfähig. Das ist wohl der Gipfel (bzw. Zipfel) der Theo-Logie.
Der menschliche Versöhnungstag (Lev. 23, 27-30)
(Es spricht Jahwe:) Am zehnten Tag dieses siebten Monats ist der Versöhnungstag. Da sollt ihr heilige Versammlung halten. Ihr sollt euch Enthaltung auferlegen und dem Herrn ein Feueropfer darbringen. An ebendiesem Tag dürft ihr keinerlei Arbeit verrichten, denn es ist der Versöhnungstag, an dem man euch vor dem Herrn, eurem Gott, entsühnt. Denn jede Person, die sich an diesem Tag nicht Enthaltung auferlegt, soll aus ihren Stammesgenossen ausgemerzt werden. Wer an diesem Tag irgendeine Arbeit verrichtet, den werde ich aus der Mitte seines Volkes austilgen.
Kommentar:
Auch Versöhnung und Milde haben bei Jahwe ihre Grenzen, wobei er hinsichtlich der Einhaltung arbeitsfreier Zeiten an Feiertagen deutlich radikaler ist als jeder Gewerkschafter.
Eine späte Erkenntnis (Mt. 27,46)
Mk. und Mt. berichten übereinstimmnd die letzen Worte von Jesus am Kreuz:
Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Kommentar:
Diese letzten Worte von Jesus sind ein eindrucksvolles Beispiel für dessen Erkenntnis des eigenen Scheiterns. Er muss nun in seinem Todeskampf erkennen, dass er von Jahwe nicht als Messias erwählt wurde und daher nicht als König über die Juden herrschen wird. Mindestens ebenso qualvoll muss für ihn die Tatsache gewesen sein, dass er von den Römern getötet wird, während er diese mit Jahwes Hilfe vernichten wollte. Für die hohe historische Authentizität dieser Passage kann auch die wörtliche Wiedergabe des aramäischen Textes (Anm.: Aramäisch war die Muttersprache von Jesus) geltend gemacht werden. Bezeichnend für die christliche Geschichtsfälschung (ein gescheiterter Messias war schon damals als Religionsgründer unbrauchbar) sind die Worte, die dann bereits Johannes dem Gekreuzigten in den Mund legt: Joh. 19,30: Es ist vollbracht! Aus dem ursprünglichen Scheitern wird somit - durch christliche Interpretationskunst - eine Erlösungstat!
Monopolstellung und Konkurrenzbekämpfung
Ex. 22,17-19: Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. Jeder, der mit einem Tier verkehrt, soll mit dem Tod bestraft werden. Wer einer Gottheit außer Jahwe Schlachtopfer darbringt, an dem soll die Vernichtungsweihe vollstreckt werden.
Ex. 20,5: Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation.
Lev. 20,27: Männer oder Frauen, in denen ein Toten- oder ein Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tod bestraft werden. Man soll sie steinigen, ihr Blut soll auf sie kommen.
Kommentar:
Diese Vorschriften sind ein signifikantes Beispiel dafür, wie sich der Einfluss der Priesterschaft auf die Gesetzgebung auswirkt. Jeglicher religiöser Mitbewerb wird somit effizient ausgeschaltet. Die Vorgangsweise ist unter menschenrechtlichen Aspekten natürlich abzulehnen, in marketingstrategischer Hinsicht hingegen durchaus beachtenswert. Apropos Menschenrechte: Auffallenderweise wird in der Heiligen Schrift für fast jedes Vergehen die Todesstrafe gefordert. Der zweite Text, der mit seiner Sippenhaftung offensichtlich sittenwidrig ist, stammt aus den Zehn Geboten, die nach christlicher Sichtweise Basis der Menschenrechte und der Europäischen Werte sind. Wenn die Menschen danach handeln würden, kann auch ein Freidenker nur mehr eines sagen: Na dann, Grüß Gott!
Sexualität kann Ihre Gesundheit gefährden!
Lev.20,10 -18: Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin. Ein Mann, der mit der Frau seines Vaters schläft, hat die Scham seines Vaters entblößt. Beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen. Schläft einer mit seiner Schwiegertochter, so werden beide mit dem Tod bestraft. Sie haben eine schändliche Tat begangen, ihr Blut soll auf sie kommen. Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Greueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen. Heiratet einer eine Frau und ihre Mutter, so ist das Blutschande. Ihn und die beiden Frauen soll man verbrennen, damit es keine Blutschande unter euch gibt. Ein Mann, der einem Tier beiwohnt, wird mit dem Tod bestraft; auch das Tier sollt ihr töten. Nähert sich eine Frau einem Tier, um sich mit ihm zu begatten, dann sollst du die Frau und das Tier töten. Sie werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen. Nimmt einer seine Schwester, eine Tochter seines Vaters oder eine Tochter seiner Mutter und sieht ihre Scham, und sie sieht die seine, so ist es eine Schandtat. Sie sollen vor den Augen der Söhne ihres Volkes ausgemerzt werden. Er hat die Scham seiner Schwester entblößt; er muss die Folgen seiner Schuld tragen. Ein Mann, der mit einer Frau während ihrer Regel schläft und ihre Scham entblößt, hat ihre Blutquelle aufgedeckt, und sie hat ihre Blutquelle entblößt; daher sollen beide aus ihrem Volk ausgemerzt werden.
Lev. 21,9: Wenn sich die Tochter eines Priesters als Dirne entweiht, so entweiht sie ihren Vater; sie soll im Feuer verbrannt werden.
Kommentar:
Die Unterdrückung und Kontrolle der Sexualität war schon bei der altisraelitischen Priesterschaft ein probates Mittel der Herrschaftsausübung. Besonders amüsant ist es, wenn sich Christen auf die ethischen Werte der Bibel berufen und versuchen, ihre Handlungen als von den moralischen Vorgaben der Bibel inspiriert darzustellen. Da hier für sexuelle Vergehen die Todesstrafe gefordert wird, hätte eine Befolgung der biblischen Moral zur Folge, dass die Christenheit bereits ausgestorben wäre.
Von der Wiederkunft des Elija: (Mt. 17,10-13)
Da fragten ihn (erg. Jesus) die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt, und er wird alles wiederherstellen (Mal. 3,23). Ich aber sage euch: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.
Kommentar:
Es gibt in der jüdischen Religion etliche Prophezeiungen, die sich erst erfüllen müssen, bevor der Messias erscheint. Eine dieser Weissagungen lautet, dass zuerst der Prophet Elija erscheinen und alles wiederherstellen müsse (Mal.3,23f; Sir. 48,10). Da somit Jesus keine Chance hat, als Messias anerkannt zu werden (er erfüllt diese Prophezeiung nämlich genauso wenig wie die anderen Vorhersagen), ist die interpretationsspezifische Kreativität der frühchristlichen Autoren gefragt. Um die Prophezeiung dennoch zu erfüllen, wird kurzerhand Johannes der Täufer als unerkannter Elija ausgegeben. Dass sich dieser Mann weder als Elija bezeichnete, noch auch alles wiederherstellte, störte angesichts des Bedarfes an einem Elija wenig. Damals wie heute passen gläubige Menschen die Realität ihren jeweiligen heiligen Schriften an und akzeptieren keinerlei Einwände, sogar dann, wenn sich die Aussagen der sakrosankten Bücher als evident unrichtig erweisen. Ein typisches Beispiel für kollektive und individuelle Realitätsverweigerung!
Die Sklaven aus fremden Völkern: (Lev. 25,44-46)
Die Sklaven und Sklavinnen, die euch gehören sollen, kauft von den Völkern, die rings um euch wohnen; von ihnen könnt ihr Sklaven und Sklavinnen erwerben. Auch von den Kindern der Halbbürger, die bei euch leben, aus ihren Sippen, die mit euch leben, von den Kindern, die sie in eurem Land gezeugt haben, könnt ihr Sklaven erwerben. Sie sollen euer Eigentum sein,
und ihr dürft sie euren Söhnen vererben, damit diese sie als dauerndes Eigentum besitzen; ihr sollt sie als Sklaven haben. Aber was eure Brüder, die Israeliten, angeht, so soll keiner über den andern mit Gewalt herrschen.
Kommentar:
Diese Forderungen werfen für die moderne Welt entscheidende theologische Fragen auf: Darf ich als Österreicher und Nicht-Hebräer jetzt überhaupt Sklaven besitzen? Und wenn ja, dann von welchen Völkern? Ist die Sklavenhaltung ausschließlich an nationale Vorgaben gebunden (sprich: darf ich Nicht-Österreicher als Sklaven halten) oder hat hier auch die EU Einfluss auf meine Möglichkeiten des Sklavenerwerbs (sprich: dürfen nur Nicht-Europäer versklavt werden)? Kompliziert wird es allerdings mit der EU-Erweiterung: Angenommen, ich habe in Osteuropa schon vor mehreren Jahren Sklaven gekauft und das betreffende Land ist mittlerweile in die EU aufgenommen worden. Muss ich jetzt diese Sklaven freilassen oder darf ich sie behalten und weitervererben? Auch die Regelungen bezüglich der Halbbürger sind interpretationsbedürftig. Soll das heißen, dass ich zwar keine Asylanten als Sklaven halten darf, sehr wohl aber deren Kinder, wenn diese in Österreich gezeugt wurden? Noch eine Detailfrage drängt sich auf: Angenommen mir wird ein Südtiroler als Sklave angeboten. Bin ich dann verpflichtet vor dem Kauf zu eruieren, ob er Italiener oder Tiroler als Vorfahren hat?
Geistiger Ehebruch, Verstümmelung und ewige Qualen:
(Mt. 5,27-30)
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.
Kommentar:
Diese Passagen sind von grundlegender Wirkung für die christliche Ethik. Der eine Faktor ist die strenge Sexualmoral, die Jesus verkündet hat. Diese ist vor dem Hintergrund seiner apokalyptischen Vorstellungswelt zu sehen (Nach dem Motto: Die paar Tage bis zum Weltuntergang halten wir noch durch). Der zweite entscheidende Faktor ist die Verurteilung eines sündigen Gedankens. Und zum dritten wird hier für menschliche und vergängliche Sünden mit unmenschlichen und ewigen Strafen gedroht. Der Gläubige möge hier denken: „Jesus liebt Dich!“
Jahwes wunderbare Kehrseite (Ex. 33, 18-23)
Dann sagte Mose: Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen! Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will. Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben. Dann sprach der Herr: Hier, diese Stelle da! Stell dich an diesen Felsen! Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin. Dann ziehe ich meine Hand zurück, und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.
Kommentar:
Hier zeigt sich Entwicklung des jüdischen Gottesbildes. Jahwe wurde - wie auch die anderen Götter des alten Orients - ursprünglich als Gott in menschlicher Gestalt gedacht. Der Rücken des Herrn bot für Moses zweifellos einen göttlichen Anblick. Dennoch: Welche Meinung hat ein Gott von seinen Geschöpfen, wenn er ihnen nur seine Hinteransicht präsentiert?
David kennt keine Gnade (2.Sam. 1,14-16)
Einleitung:
Nachdem ein junger Mann berichtet, dass er König Saul auf dessen Wunsch hin den Gnadenstoß gegeben habe, zieht König David die Konsequenzen:
Darauf rief David einen von seinen jungen Männern zu sich und sagte: Komm her, stoß ihn nieder! Und er schlug ihn tot. David aber sagte zu ihm: Dein Blut über dein Haupt, denn dein Mund hat dich verurteilt, als du sagtest ich habe den Gesalbten des Herrn getötet.
Kommentar:
König David praktiziert hier das Talionsprinzip (Auge um Auge). Bemerkenswert ist ferner der scheinbar sakrosankte Status des Gesalbten (Messias). Obwohl dieser auf seinen eigenen Wunsch hin getötet wurde, hat der Täter dennoch sein Leben verwirkt. Für diese Stelle gilt natürlich das gleiche Grundprinzip wie für alle anderen Bibelstellen, in denen Gewalt gefordert wird. Im Gegensatz zu jenen Passagen, die sympathischer klingen, sind die Gewalttexte natürlich alle nicht wörtlich gemeint.
Ehebruch zur Nachwuchssicherung (Gen. 16,1-6)
Sarai, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren. Sie hatte aber eine ägyptische Magd namens Hagar. Sarai sagte zu Abram: Der Herr hat mir Kinder versagt. Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf sie. Sarai, Abrams Frau, nahm also die Ägypterin Hagar, ihre Magd - zehn Jahre, nachdem sich Abram in Kanaan niedergelassen hatte -, und gab sie ihrem Mann Abram zur Frau. Er ging zu Hagar, und sie wurde schwanger. Als sie merkte, dass sie schwanger war, verlor die Herrin bei ihr an Achtung. Da sagte Sarai zu Abram: Das Unrecht, das ich erfahre, komme auf dich. Ich habe dir meine Magd überlassen. Kaum merkt sie, dass sie schwanger ist, so verliere ich schon an Achtung bei ihr. Der Herr entscheide zwischen mir und dir. Abram entgegnete Sarai: Hier ist deine Magd; sie ist in deiner Hand. Tu mit ihr, was du willst. Da behandelte Sarai sie so hart, dass ihr Hagar davonlief.
Kommentar:
Abraham handelt hier nach altorientalischem Recht. Die Wiedergabe mit „Magd“ ist irreführend, da es sich bei Hagar um eine Sklavin handelt. Die letzten Sätze dieser Passage zeigen den rechtlichen Status der “Magd“, die bei dem vorprogrammierten Zickenkrieg der Willkür ihrer Herrin chancenlos ausgeliefert ist.
Zipfel oder Leben! (Gen. 17, 10-14)
(Es spricht Jahwe zu Abraham:) Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen, seien sie im Haus geboren oder um Geld von irgendeinem Fremden erworben, der nicht von dir abstammt. Beschnitten muss sein der in deinem Haus Geborene und der um Geld Erworbene. So soll mein Bund, dessen Zeichen ihr an eurem Fleisch tragt, ein ewiger Bund sein. Ein Unbeschnittener, eine männliche Person, die am Fleisch ihrer Vorhaut nicht beschnitten ist, soll aus ihrem Stammesverband ausgemerzt werden. Er hat meinen Bund gebrochen.
Kommentar:
Die Beschneidung stellt einen massiven Eingriff in die Intimsphäre eines Menschen dar und hat den gleichen Zweck wie die zahlreichen Speisegebote: Die permanente Präsenz der Religion (und ihrer Vertreter) im Alltag. Obwohl diese Handlung eine klare Verletzung der Menschenrechte darstellt, wird die Beschneidung auch heute noch in Europa gesetzlich toleriert. Trotz der Tatsache, dass Gott im AT eine sehr deutliche Sprache pflegt, und die Beschneidung - vom ebenfalls beschnittenen Jesus - nicht aufgehoben wurde, verweigern die Christen in ihrem heutigen Stammesverband dieses äußerliche Zeichen der Auserwähltheit. Das Hemd ist eben näher als der Rock, und die eigene Vorhaut ist offenbar wichtiger als die göttlichen Gebote.
Apokalyptik und Apartheit (Mt. 10,5-8; 23)
Diese Zwölf (Apostel) sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. …
Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.
Kommentar:
Mit dieser Rede stellt Jesus klar, dass seine Botschaft nur für reinrassige Juden bestimmt ist und nicht für den Rest der Menschheit (Heiden). Nicht einmal das (jüdischstämmige) Mischvolk der Samariter (Samaria befindet sich westlich des Jordantales) ist es wert bekehrt zu werden. Die Apokalypse, sein Erscheinen als König der Juden und das damit verbundene irdische Reich Gottes steht nach der Überzeugung von Jesus so unmittelbar bevor, dass nicht einmal alle Städte Israels missioniert werden können. Überzeugte Christen werden hier einwenden, dass diese Passage eventuell ein späterer Zusatz sein könnte, der gar nicht auf Jesus zurückzuführen ist. Die Logik verbietet jedoch ein derartiges Rückzugsgefecht. Wenn diese Passagen erst später hinzugefügt worden wären, dann würde Jesus dort eine Prophezeiung machen, die sich zum Zeitpunkt der Erfindung bereits nachweislich als falsch erwiesen hat. Wir haben es hier also mit einem authentischen Jesuswort zu tun, das nicht nur die Unhaltbarkeit seiner Überzeugungen sondern auch die Unvereinbarkeit seiner Lehre mit den Menschenrechten demonstriert.
Jahwe zeigt dem auserwählten Volk seine Wertschätzung (Ex. 33, 3-5)
(Es spricht Jahwe:) Ich sende einen Engel, der dir vorangeht, und ich vertreibe die Kanaaniter, Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. In ein Land, in dem Milch und Honig fließen, wirst du kommen. Ich selbst ziehe nicht in deiner Mitte hinauf, denn du bist ein störrisches Volk. Es könnte sonst geschehen, dass ich dich unterwegs vertilge. Als das Volk diese Drohung hörte, trauerten sie, und keiner legte seinen Schmuck an. Da sprach der Herr zu Mose: Sag zu den Israeliten: Ihr seid ein störrisches Volk. Wenn ich auch nur einen einzigen Augenblick mit dir zöge, müsste ich dir ein Ende machen. Jetzt aber leg deinen Schmuck ab! Dann will ich sehen, was ich mit dir tun kann.
Kommentar:
Jahwe erweist sich hier wieder einmal als besonders liebenswürdiger Zeitgenosse. An gehässiger Arroganz ist diese Aussage wirklich schwer zu überbieten. Diesen Gott muss man doch einfach lieb haben!
Apokalyptische Gewaltfantasien (Jes. 34, 1-18)
Kommt her, ihr Völker, und hört, horcht auf, ihr Nationen! Die Erde und alles, was sie erfüllt, die Welt und alles, was auf ihr sprosst, sollen es hören, dass der Herr über alle Völker erzürnt ist, dass er zornig ist auf all ihre Heere. Er hat sie dem Untergang geweiht und zum Schlachtopfer bestimmt. Die Erschlagenen wirft man hinaus, der Gestank ihrer Leichen steigt auf, die Berge triefen von ihrem Blut, alle Hügel zerfließen. Wie eine Buchrolle rollt sich der Himmel zusammen, sein ganzes Heer welkt dahin, wie Laub am Weinstock verwelkt, wie Früchte am Feigenbaum schrumpfen. Am Himmel erscheint das Schwert des Herrn. Seht her, es fährt auf Edom herab, auf das Volk, das der Herr im Gericht dem Untergang weiht. Das Schwert des Herrn ist voll Blut, es trieft von Fett, vom Blut der Lämmer und Böcke, vom Nierenfett der Widder; denn der Herr hält in Bozra ein Opferfest ab, ein großes Schlachtfest in Edom. Da fallen die Büffel und Kälber, die Stiere und Ochsen. Ihr Land wird betrunken vom Blut, ihr Erdreich ist getränkt von Fett. Denn der Herr hat einen Tag der Rache bestimmt, ein Jahr der Vergeltung für den Streit um Zion. In Edoms Bächen wird das Wasser zu Pech, sein Boden verwandelt sich in Schwefel, sein Land wird zu brennendem Pech. Es erlischt nicht bei Tag und bei Nacht, der Rauch steigt unaufhörlich empor. Das Land ist für Generationen verödet, nie mehr zieht jemand hindurch.
Kommentar:
Die den Israeliten feindlich gesinnten Edomiter stehen hier stellvertretend für das prophezeite Endgericht über die Welt. Der Text erklärt im folgenden (35, 1-10) die Wonnen des nun erwarteten messianischen Heils. Gerade solche apokalyptischen Gewaltverherrlichungen inspirierten die frühen Christen bezüglich der Ausgestaltung der Endzeit sowie hinsichtlich der Höllenvorstellungen (vgl. etwa die Apokalypse des Johannes).
Peinlich aber wahr: Trotz “unglaublicher“ Wunder keine Anhänger! (Mt. 11,20-24)
Dann begann er (Jesus) den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.
Kommentar:
Diese Passage zeigt – unabhängig vom gesunden Menschenverstand, der zum gleichen Ergebnis kommen muss – dass die Wunder, die im Evangelium beschrieben sind, reine Erfindungen darstellen. Es gab also weder Wunderheilungen, unglaubliche Massenauspeisungen oder gar Totenerweckungen. Hier zeigt Jesus seine Wut über die Ablehnung der jüdischen Bevölkerung in seiner unmittelbaren Heimat (Kafarnaum am See Genezareth war seine Wahlheimat, bei Chorazin und Betsaida handelt es sich um unbedeutende Siedlungen in der Nachbarschaft Kafarnaums). Fassen wir zusammen: Jesus war als Wanderprediger nur in wenig bedeutenden Ansiedlungen aktiv, wo er trotz angeblicher Wunder keine Anhänger fand. Immerhin scheint es ihm dort aber immer noch besser gegangen zu sein als in seinem Geburtsort Nazareth, wo er überhaupt kein Wunder bewirken konnte (Mk. 6, 5). Interessant auch der Umstand, dass keine einzige Predigt aus der Hauptstadt der Region (Sepphoris, die Stadt liegt nur 6 km nördlich von Nazareth!) überliefert ist. Da die Bewohner dieser Stadt als ausgesprochen romfreundlich galten, wäre Jesus mit seiner antirömischen Messiasideologie dort auch kaum erfolgreich gewesen. Ein Auftritt in dieser Metropole hätte für ihn auch fatale Konsequenzen haben können. Bezeichnend ist hier auch die viel gepriesene Güte des Heilands. Wer nicht glauben will, muss bei der bald hereinbrechenden Apokalypse mit fürchterlichen Konsequenzen rechnen.
Das Lied des Mose (Deut. 32, 41-47)
Habe ich erst die Klinge meines Schwertes geschliffen, um das Recht in meine Hand zu nehmen, dann zwinge ich meinen Gegnern die Strafe auf und denen, die mich hassen, die Vergeltung. Meine Pfeile mache ich trunken von Blut, während mein Schwert sich ins Fleisch frisst - trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener, ins Fleisch des höchsten feindlichen Fürsten. Erhebt das Sieges-geschrei, ihr Himmel, zusammen mit ihm, werft euch vor ihm nieder, ihr Götter! Denn er erzwingt die Strafe für das Blut seiner Söhne und entsühnt das Land seines Volkes. Dann kam Mose zum Volk und trug ihm das Lied in seinem vollen Wortlaut vor, er und Josua, der Sohn Nuns. Als Mose damit zu Ende war, alle diese Worte vor ganz Israel vorzutragen, sagte er zu ihnen: Schenkt allen Bestimmungen eure Beachtung. Heute beschwöre ich euch: verpflichtet eure Kinder, dass auch sie auf alle Bestimmungen dieser Weisung achten und sie halten. Das ist kein leeres Wort, das ohne Bedeutung für euch wäre, sondern es ist euer Leben. Wenn ihr diesem Wort folgt, werdet ihr lange in dem Land leben, in das ihr jetzt über den Jordan hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen.
Kommentar:
Die Israeliten schicken sich hier an, das gelobte Land zu erobern. Da - wie Karl Kraus es formuliert hat - Kriege und Geschäftsbücher mit Gott geführt werden, war es ratsam, auch diese widerrechtliche Aneignung des Landes, inklusive der Ermordung und Versklavung der einheimischen Bevölkerung, göttlich legitimieren zu lassen. Dieser Gott ist die typische Erfindung nomadisierender Stämme, die sich mit diesem Konstrukt ihre barbarischen Handlungen metaphysisch absegnen lassen. Hier zeigt sich auch, wie religiös motivierte Gewaltbereitschaft kommunziert und den nächsten Generationen weitervererbt wird. Passagen wie diese machen ebenso die Position ultrakonservativer Rabbis im Nahostkonflikt deutlich.
Samuel handelt gottesfürchtig (1.Sam.15, 30-35)
Einleitung
Der Richter Samuel erhält von Jahwe den Befehl, König Saul mit der Bestrafung der Amalekiter zu beauftragen (3 Darum zieh jetzt in den Kampf, und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!). Sauls Truppen töten zahlreiche Angehörige dieses Stammes, schonen allerdings das wertvolle Vieh und auch Agag den König der Amalekiter, den sie lebend gefangen nehmen. Jahwe ist erzürnt über den Ungehorsam von Saul und betraut Samuel mit dessen Maßregelung und Absetzung.
Saul erwiderte: Ich habe gesündigt; erweise mir aber jetzt vor den Ältesten des Volkes und vor Israel die Ehre, mit mir zurückzukehren, damit ich den Herrn, deinen Gott, anbete. Da kehrte Samuel um und folgte Saul, und Saul betete den Herrn an. Darauf sagte Samuel: Bringt Agag, den König von Amalek, zu mir! Agag wurde in Fesseln zu ihm gebracht und sagte: Wahrhaftig, die Bitterkeit des Todes ist gewichen. Samuel aber erwiderte: Wie dein Schwert die Frauen um ihre Kinder gebracht, so sei unter den Frauen deine Mutter kinderlos gemacht. Und Samuel hieb vor den Augen des Herrn in Gilgal Agag in Stücke. Dann ging Samuel nach Rama, und Saul zog hinauf in sein Haus nach Gibea-Saul. Samuel sah Saul vor dem Tag seines Todes nicht mehr. Samuel trauerte um Saul, weil es den Herrn reute, daß er Saul zum König über Israel gemacht hatte.
Kommentar:
Wenn Jahwe die vollständige Vernichtung eines Volkes und seines Besitzes fordert, hat der wahre Gläubige diese Forderungen ohne humanitäre Verwirrungen zu erfüllen.
Paulus bekämpft jüdische Vorstellungen (Tit. 1,10-16)
Denn es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler, besonders unter denen, die aus dem Judentum kommen. Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen, denn aus übler Gewinnsucht zerstören sie ganze Familien mit ihren falschen Lehren. Einer von ihnen hat als ihr eigener Prophet gesagt: Alle Kreter sind Lügner und faule Bäuche, gefährliche Tiere. Das ist ein wahres Wort. Darum weise sie streng zurecht, damit ihr Glaube wieder gesund wird. Das ist ein wahres Wort, wörtlich: Dieses Zeugnis ist wahr und sie sich nicht mehr an jüdische Fabeleien halten und an Gebote von Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden. Für die Reinen ist alles rein; für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und ihr Gewissen sind unrein. Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn; es sind abscheuliche und unbelehrbare Menschen, die zu nichts Gutem taugen.
Kommentar:
Bereits am Anfang des Christentums gab es grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die wahre Lehre. Paulus fordert die Häretiker zum Schweigen zu bringen, und es dauert nicht lange bis die Christen sich gegenseitig umbringen.
