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John Lennon sang vor über 30 Jahren "Imagine...there is no heaven and no religion, too!"


Das schlug ein wie eine Bombe!

Viele Menschen können sich ein Leben ohne die Religion gar nicht vorstellen, daher kann man ihnen auch keinen Vorwurf machen. Der Grund für die mangelnde Vorstellungskraft liegt in der Gehirnwäsche, der die Kinder in weiten Teilen der Bevölkerung unterliegen, die Begriffswelt ist so stark vertunnelt, dass ein freies Denken kaum möglich ist. Der erste Schritt wäre einfach einmal die eigenen Überzeugungen zu überprüfen und nachgeplapperte Stehsätze auf Inhalt abzuklopfen.

Agnostisches Denken ist kein Ruhepolster, sondern die Herausforderung, sich immer wieder zu fragen, ob man richtig liegt und sich auf schwankendem Boden zu bewegen. Dafür bekommen wir aber viel: Unabhängigkeit und Eigenständigkeit im Denken, die Sicherheit, dass wir uns auf uns selbst und nicht auf andere verlassen und das wunderbare Gefühl, Bescheidenheit und Demut zu üben, wenn es darum geht, die Welt erklären zu wollen. An einer Welt mitzubauen, die mit weniger Heuchelei auskommt, wäre schon ein großer Fortschritt. Die heutige stressige Orientierung an Göttern, Idolen und Vorzugsschülern würde einem entspannten Streben nach realistischen Zielen weichen.

In unserem Staat wäre nicht mehr die Gottgefälligkeit das oberste Ziel, sondern dass dieses Land ein angenehmes Zuhause für alle Menschen ist. "Gottgefälligkeit" heißt in diesem Fall, dass hier Normen und Regeln zur Anwendung kommen, die einem künstlichen Ideal entspringen, das aber nicht menschenorientiert ist, sondern elitenorientiert und damit nur die Interessen einiger weniger vertritt. Um die rasche Veränderung in dieser Welt zu bewältigen, können wir nicht mehr mit den Moralvorstellungen eines palästinensischen Hirtenvolkes operieren, sondern müssen uns jeden Tag fragen, wie wir unser Zusammenleben menschlicher gestalten können.  Nicht der Papst soll mit uns zufrieden sein, sondern wir mit uns, nicht Kardinäle knobeln sich Vorschriften aus, sondern wir selbst machen unsere Etiquette. In den Bereichen, wo die Kirche viel zu alt und zu langsam ist um überhaupt mitzuhalten, z.B. im Internet entstand in wenigen Monaten und Jahren eine "Nettiquette", eine Partialmoral für das Internet. Es gibt keinen Grund, warum das nicht überall so funktionieren sollte.

Diese Moral und diese Regeln fußen dann auf der Vernunft und nicht auf irgendwelchen tausendjährigen Schriften, die so abgefasst sind, dass jeder alles daraus lesen kann und es ja auch tut. Wären sie nicht so aberwitzig, so wären sie schon aus formalen Gründen völlig ungeeignet für die Anleitung zu moralischem Handeln. Das birgt den Vorteil in sich, dass wir keine Hohepriester mehr brauchen, die uns die Welt und die Regeln erklären. Ein angelsächsisches Sprichwort sagt: "Wenn etwas missbraucht werden kann, dann wird es früher oder später auch passieren."

Die gesellschaftliche Konstruktion einer Religion basiert auf oben und unten. Oben sind immer die Priester und Imame, die Geweihten und Gesalbten, die angeblich aus irgendeinem Grund mehr wissen als ein normaler Mensch.

Damit wird alles zu einer MACHTFRAGE: Wer hat die Kontrolle? Wer bestimmt die verwendeten Begriffe? Wer hat die definitoriche Macht? Wer hat vielleicht Unrecht, aber dennoch die Durchsetzungkraft für seine falschen Ideen?

Die Durchsetzungskraft muss immer längerfristig der Vernunft gehören. Das ist die Vision. Jede Unvernunft, jede Religion ist nur ein Umweg zu einer vernünftigen Lösung im Sinne der Menschen. Sigmund Freud sagte: "Wir mögen noch so oft betonen, der menschliche Intellekt sei kraftlos im Vergleich zum menschlichen Triebleben, und recht damit haben. Aber es ist doch etwas Besonderes um diese Schwäche; die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör geschafft hat. Am Ende, nach unzählig oft wiederholten Abweisungen, findet sie es doch."

John Lennon träumte von dieser Vision, dass eines Tages die Vernunft uns Menschen eint, die Weiterentwicklung der Erde leitet und die Menschen in Frieden leben. "You may say I am a dreamer, but I am not the only one!". 

 

Gerhard Engelmayer

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