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April 1918 – „Freidenker“ / Zensur/ Konrad Deubler

Für das geschichtsträchtige Jahr 2018 möchten wir auch der Freidenker im Jahr 1918 „gedenken“. Grundlage dafür ist ein Forschungsprojekt zur Geschichte der österreichischen Freidenker, das nach Abschluss als Buch erscheinen soll. Die monatlichen Beiträge werden jeweils Artikel, Nachrichten und Meldungen im Original aus der seit 1896 regelmäßig erschienenen Zeitschrift „Der Freidenker“ sein, die auch heute noch für die Freidenker von Bedeutung sein könnten/sollten. Wie viele solcher Beiträge möglich sein werden, hängt davon ab, wie regelmäßig und wie vollständig „Der Freidenker“ erscheinen konnte, da finanzielle Probleme und Pressezensur während der Kriegsjahre das Erscheinen immer wieder erschwerten.

Der Krieg hinterließ seine Spuren auch bei den Freidenkern: ihre Zeitschrift konnte nun bis Kriegsende nur noch alle zwei Monate erscheinen.

Für die Zensur blieben dennoch ausreichend Anlässe aktiv zu werden. Im Amtsblatt der „Wiener Zeitung“ vom 23. April 1918 erkannte das „Preßgericht“ auf Antrag der k.k. Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme und Vernichtung der Nr. 3 vom März 1918 an – wegen eines Gedichtes mit der Überschrift „Mein Gott“. Doch auch die Doppelnummer 4/5 – siehe Mai 1918 – traf Beschlagnahme und Vernichtung, allerdings nur mit Angabe der ersten und letzten Wörter der jeweiligen Passagen.

Wie früher erhielten nur die Abonnenten die unzensurierten Exemplare, daher liegen in der Nationalbibliothek nur Ausgaben mit entsprechenden Leerstellen auf.

Doch der abgedruckte Artikel im April über die Enthüllung des Konrad Deubler-Denkmals in Goisern ermöglicht nun die Möglichkeit, auf diesen auch als „Bauernphilosoph“ in die Geschichte eingegangenen Konrad Deubler (1814-1884) besonders aufmerksam zu machen. Der oberösterreichische Landwirt, Bäcker, Gastwirt und spätere Bürgermeister von Goisern gilt bis heute, auch international, als früher österreichischer Freidenker, der sein Engagement als „Hochverräter und Religionsstörer“ mit schwerem Kerker, anschließendem Exil und neuerlicher Verbannung bezahlen musste. Als Bürgermeister richtete er 1871 in Goisern eine konfessionsfreie Schule ein. Er war mit den bedeutendsten Freidenkern seiner Zeit in Deutschland befreundet, wo die Erinnerung an ihn bis heute gepflegt wird.

Wer über Konrad Deubler mehr erfahren möchte – und als Freidenker auch sollte – kann in einem sehr guten Wikipedia-Artikel vieles über ihn nachlesen. Unter anderem auch, dass in den Jahren 1997-1999 drei Konrad-Deubler-Symposien unter Beteiligung des oberösterreichischen Freidenkerbundes abgehalten wurden; und auch, dass bei der Enthüllung des neugestalteten Konrad Deubler-Denkmals im Kurpark von Bad Goisern im Jahr 2014 auch der Wiener Freidenkerbund vertreten war: nachzulesen im „Freidenker“ Nr. 3/2014.

1 Kommentar

  1. Interessant, verdienstvoll und wichtig, dass die Erinnerung an Konrad Deubler aufrechterhalten wird!

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Humanistischer Verband Österreich